Erich Weismann
Erich Weismann
Erich Weismann
Hilda Herklotz

25. 09. 1905 - 12. 03. 1984

Die Freie Georgenschule stand, seit sie 1946 gegründet wurde, unter einem guten Stern. Erich Weismann nahm alles mit einem großzügigen Schwung in Angriff, der improvisierte, was man heute organisiert - wie aus junger Kraft also. Gleichzeitig aber wurde wirksam, dass er und Frau Hilda Herklotz - die eigentlichen Gründer der Schule - eine gewisse Schicksalsreife für dieses Werk erlangt hatten: Nach der freiwilligen Schließung der Rudolf-Steiner-Schule in Berlin, der Erich Weismann die eigentliche Einführung in die Waldorfschulpraxis und in die Öffentlichkeitsarbeit verdankte, nach Gefängnis, Russland und der schweren Krankheit im Lazarett. Dann die Nachricht, dass alle drei Söhne der Frau Herklotz, seine ehemaligen Schüler, dem Krieg zum Opfer gefallen waren, einer von ihnen noch ganz zuletzt. Das war der Ruf, nicht nur deren Mutter nahe zu sein, sondern mit ihr an ein Werk zu gehen, das beide nun als Gebot der Stunde ansahen.

Was der noch nicht 17jährige Basler Gymnasiast 1922 völlig unvorbereitet im ersten Goetheanum erleben durfte, hatte etwas in ihm veranlagt, das am Ende der 20er Jahre zur freien Entscheidung für Rudolf Steiners Weg werden sollte. Diese Entscheidung hatte nun 1946 für Erich Weismann unausweichliche Konsequenzen. Dass er in dem Maße handeln konnte, "als die Zeit erfüllet war", machte ihn geeignet, über Reutlingen hinaus nun zu einem aktiven Träger der Schulbewegung überhaupt zu werden und sich vor allem dem Goetheanum in all seiner anthroposophischen Tätigkeit zur Verfügung zu stellen. Mit dieser trat er nicht nur direkt an die Öffentlichkeit. Sie war selbstverständliche Grundlage aller Vorträge und Kurse über Literatur und Kunst, die überaus gründlich vorbereitet wurden, so impulsiv sie sich dann vor dem Zuhörenden gestalten konnten. Ähnliches gilt für seine Beiträge auf Tagungen und Konferenzen, sie konnten so füllig in ihrer Anschaulichkeit, wie konsequent in ihrem Ernst sein.

Im Lauf der Zeit gab Erich Weismann Schulführungsaufgaben ab, und es gelang ihm, die Schulleitung schließlich ganz und gar zu einer kollegialen werden zu lassen: Gegenüber allen, die vorsichtiger dachten, war seine Sympathie oft auf Seiten der künstlerischen Initiative. Der Initiative überhaupt. Auf der anderen Seite war er streng in der Einhaltung des Lehrplans, ein Hüter der Grundlagen angesichts der vielen zeitgegebenen Kompromisse.